immun

Der leise Tod unserer Abwehrkräfte?


Masken, Gummihandschuhe und ein Übermaß an Desinfektionsmittel sind für viele Menschen zu ständigen Begleitern geworden. Wenig bewusst ist allerdings dabei die Bedeutung dessen auf das Immunsystem. Die Medizin spricht hier von „Erregerkarenz“.

Gemeint ist damit die Tatsache, dass das Abwehrsystem des Organismus nicht mehr mit den typischen Keimen (Bakterien, Viren, Pilzen) in Berührung kommt, die es zur Aufrechterhaltung seiner Funktion benötigt. Davon ist jedoch die Leistungsfähigkeit der so genannten „Hintergrundimmunität“ abhängig. Damit ist die zelluläre Abwehr mittels T-Zellen sowie die Immunproteine gemeint. Gleichsam unsere „angeborene Immunausstattung“. Um unser Immunsystem aufrecht zu erhalten  braucht es den ständigen Kontakt mit Keimen. Es muss mehr oder weniger tagesaktuell upgedatet werden. Sonst kann es passieren, dass es schnell vergisst.

Buchtipp: Clemens G. Arvay, (Österreichischer Öko-Biologe) – „Wir können es besser“

Aus diesem Grund sind Kinder, die in den Kindergarten kommen, oft wochenlang „krank“. Ihr Immunsystem muss sich erst an die Herausforderung der neuen Umgebung anpassen. Optimal schädigen kann man Kinder in dieser Zeit übrigens durch den Aufenthalt in überhitzten Räumen, möglichst noch mit dicken Pullovern bekleidet ….

„Pro Sekunde vollführt unsere Körperabwehr etwa eine Million Genmanipulationen, um neue Antikörper herzustellen und die geeigneten zu vermehren, damit wir auf dem letzten Stand der Erkennung von eigener und fremder Körpersubstanz bleiben und möglichst immer die passende Immunantwort zur Verfügung haben“, erklärte Molekularbiologe Beda Stadler, Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern, in einem Interview.

Hambeurger Abendblatt

Dies gilt auch für Erkältungen. Mehr als 200 verschiedene Viren können das meist ungefährliche, aber lästige Leiden auslösen. Doch auch Erkältungsviren muss unser Immunsystem möglichst ständig begegnen, um wirksam gegen sie vorgehen zu können. Je seltener unsere Abwehrkräfte in Kontakt mit den Viren kommen, desto geringer ist unser Hintergrundimmunität gegen das angreifende Virus. Ohne Dauerkontakt mit einem Keim oder einem Allergen vergisst unser Immunsystem die richtige Antwort auf den Reiz. Der Lübecker Mikrobiologe Werner Solbach nennt das Training durch Erkältungen „Immunjogging“ .

Bereits vor rund 15 Jahren bestätigte eine Schweizer Studie, dass Kinder, die im Säuglingsalter keimbeladener Stallluft ausgesetzt waren und zusätzlich kuhwarme Milch zu trinken bekamen, später deutlich weniger Infektionen und Asthmaerkrankungen aufwiesen. Zahlreiche andere Arbeiten haben das seither bestätigt.

Das bestätigt meine eigene Erfahrung. Seit ich nun mehr zehn Jahre täglich der Stallluft ausgesetzt bin, war ich so gut wie nicht mehr krank. Dieser immunologische Trainingscocktail aus Viren, Bakterien und Pilzen ist offenbar das perfekte Immuntraining. Ein Effekt, den man natürlich ökomedizinisch gezielt nutzen kann, um das Immunsystem besonders von Kindern zu trainieren !“ (Dr. med. Wolfgang A. Schuhmayer)
 

Immunstörungen – Die Hintergrundfaktoren

Tatsächlich ist ein Immundefizit ausserhalb definierter organischer erkrankungen eine extrem komeplexe Situation, in die viele ganz unterschiedliche Faktoren hineinspielen, die nicht imnmer bewusst sind. Die Grafik gibt einen Überblick über die Problemfelder. Der Text erläutert einige Details zum besseren Verständnis

Grafik:Immundefizit – Der Hinmtergrund (Copyright: toekomed.at)
PSYCHOIMMUNOLOGISCHSOZIOIMMUNOLOGISCHKULTURIMMUNOLOGISCHOEKOIMMUNOLOGISCH
EinsamkeitIsolation / Social DistancingMusizieren verbietenCouch Potatoe
AngstDigitale DesozialisierungSingen verbietenNaturdefizit
BedrohungDeempathisierungFesttage unterbindenSonnenlichtmangel
Selbstverwirklichungszweifel PhobisierungMusiklevents blockierenFehlernährung
DepressionVerhaltensumbauTradtitionen unterbinden Vitamin D – Mangel
VerzweiflungBegegnungsphobieReligionsausübung behindernProcessed Food
OhnmachtHyperdigiatalisierungHyperalimentation
AusweglosigkeitDigitale PseudosozialisierungKeimkarenz
Multifaktorieller Hintergrund der Immunstörungen (Copyright: toekomed.at)

Psychoimmunologisch

Die Beziehung zwischen psychischer Verfassung und dem Abwehrsystem ist eine sehr enge. Alle Zustände, die eine seelische Belastung darstellen, wirken sich stark negativ insbesonders auf die Hintergrundimmunität aus. Aus aktuellem Anlass sei angemerkt, dass es es gerade diese Hintergrundimmunität mit ihrer zellulären Komponente ist, die wir für die Abwehr von Virusinfektionen besonders benötigen, da die Antikörper, so vorhanden, eine relativ kurze Lebensdauer haben . . .

„Stark durch Natur“ (by was)

Bringt man also Menschen in eine Situation oder Lebenslage, die zu Angst, Verzweiflung, Depression, Ohnmachts-, Bedrohungsgefühl oder Ähnlichem führt, hat das direkte negative Auswirkungen auf den Fitnesszustand des Immunsystems. Weiters hat längerdauernder Stress die Erschöpfung der Cortisonspeicher zur Folge, die für eine reguläre Immunreaktion unabdingbar sind.

Die Psyche ist eine Drehscheibe der Immunantwort, da Gehirn und Abwehrsystem intensiv kommunizieren. Dieser Austausch erfolgt teilweise über Hormone wie Cortisol. Es stabilisiert den Organismus in Stresssituationen. Leeren sich die Cortisolspeicher durch Dauerbelastung, schwächelt das Immunsystem.

„Herbstsonne“ (by was)

Aber auch die Abwehrzellenzellen (T-Zellen) erzeugen eigene Botenstoffe, die Interleukine. Damit signalisieren sie dem Gehirn, dass im Organismus eine Infektion abläuft. Als Antwort steigt etwa durch das Ankurbeln der Kraftwerke (Mitochondrien) in den Zellen die Körpertemperatur. Fieber tritt auf, der Patient fühlt sich schlapp und matt, legt sich ins Bett und schont sich. Sinkt der Interleukinspiegel, wird diese Reaktion wieder zurückgefahren.

Die Stressreaktion des Gehirns besteht darin, die Nebenniere vermehrt das Cortisol produzieren zu lassen. Die Erstreaktion erfolgt durch die unspezifische Immunabwehr. Natürliche Killerzellen rücken aus, unabhängig davon, ob es sich um Viren, Bakterien oder Pilze handelt. Eine allgemeine, evolutionsbiologische Reaktion auf Stresssituationen wie Kampf oder Jagd, in denen die Verletzungsgefahr deutlich erhöht ist. Keime könnten über Wunden eindringen etc.

Sozioimmunologisch

Der Mensch als Lebewesen ist in seinem psychischen und damit immunologischen Wohlbefinden direkt abhängig von anderen Menschen. Das „Konzept-Mensch“ der Natur sieht vor, dass die Individuen zusammenleben. Jede Isolation wirkt dem entgegen und ist damit krankmachend. Viele psychische Bewschwerdebilder weisen als extrem belastendes Symptom eine „Soziophobie“ – die Angst vor dem Umgang mit den Mitmenschen – auf. Ihre therapeutische Bearbeitung ist aufwendig und intensiv, gelegentlich langwierig.

„Dachparty“ (by was)

Eine der wesentlichsten Aufgaben in der menschlichen Erziehung ist die Sozialisierung der Kinder. Ein Prozess den man aber auch bei heranwachsenden Säugetieren wunderbar beobachten kann. Das „endokrine Geheimnis“ der Sozialisierung ist das Brutpflegehormon Oxytocin. Im Zuge der Weitergabe positiver sozialer sozialer Impulse kommt es in der Hirnanhangdrüse zur Oxytocin-Ausschüttung. Das trifft auf Mütter ebenso wie Kinder oder Väter zu. Die „Gesamtdosis“ an Oxytocin, die wir in unserer Kindheit erhalten, hat einen direkten Einfluss auf unsere Bindungsfähigkeit und unsere „Social Skills“.

Vereinzelung, Isolation und Einzelhaft wirken diesen natürlichen Impulsen gezielt und krankmachend entgegen. Verschärft wird diese Situation durch eine Reihe andere Faktoren wie etwa Verhaltensmodulationen durch vorgegebene Bedrohungsbilder wie „infektiöse Mitmenschen“. Insbesondere dort, wo gar keine sein können, nämlich in der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung.

Besonders extrem wireken sich diese soziopathischen Blockademechanismen auf Kinder aus, da sie sich noch mitten in Ihrem Sozialisierungsprozess befinden. Haben sie keine Möglichkeit, ihre sozialen Fähigkeiten zu trainieren, kommt es zu Desozialisierung, empathischer Verflachung – alles Symptome komplexer psychischer Belastungsstörungen wie etwa schizoaffektive Psychosen oder bei Autismusspektrumstörung.

Es wäre gefährlich und falsch zu glauben, dass die digiatlisierte, likesammelnde Pseudosozialisierung auf diversen Plattformen einen tauglichen Ersatz darstellt. Ganz im Gegenteil. Aus der Hirnforschung weiß man heute, dass Digitalisierung sogar zu einem Rückentwicklung umschriebener Hirnareale führt, da der persönliche Umgang mit dem anderen Lebewesen nicht stattfindet. Diese Problematik reicht tief hinein in ander Bereiche wir etwa das digitale Lernen, das im Gehirn wesentlich „flacher“ und „oberflächlicher“ erfolgt als bei regulärem konventionellen Unterricht, da auch Lernen einen intensiven sozialen Impact hat bzw. braucht.

Auch bei Erwachsenen hat häusliche Isolation ein sprunghaftes Ansteigen der digital verbrachten Zeit zur Folge. Die entsprechenden Geräte erschaffen im Zusammenwirken mit dem Internet eine „heile Parallelwelt“ , die noch dazu „sicher“ erscheint im Gegensatz zur „gefährlichen Krisenrealität“ draussen….

„Abschied“ – (copyright was)

Bemerkesnwert scheint in diesem Zusammenhang, dass der Gesetzgeber in der Tierhaltungsverordnung die Auseinzelung von Tieren in Form der Isolationshaltung bei Strafe untersagt, jedoch exakt dieselbe Instanz – nämlich das Gesundheitsministerium – keinen straffälligen Tatbestand darin erkennt, wenn alte und/oder kranke Menschen in Seniorenheimen, Paliativ- und Intensivstationen auch ohne deren Zustimmung isoliert werden.

Während der Mensch seinen sozioimmunologischen Notstand einige Zeit dissimuliert – also verschleiert – hört etwa ein Alpaca ultimativ auf, zu fressen und verfällt in einen depressiven Stupor, wenn es isoliert wird.

Kulturimmunologisch

Die Éinbettung des Menschen in sein kutlurelles Rahmenwerk stellt einen der wesentlichen Unterschiede zum Tier dar. Homogene menschliche Gemeinschaften definieren sich nicht etwa durch „chaotische Buntheit“, sondern kulturelle Kontinuität – etwa im Jahrekreis oder hinsichtlich ihrer Musik, Dichtung etc. Das betrifft nicht nur Kulturgesellschaften als Gesamtes, sondern auch Subgruppen innerhalb einer Kultur, und hat nichts mit Ausschließlichkeit zu tun. Die Natur kennt viele Blüten. Sie ist aufgrund Ihrer Vielfalt bunt, nicht, weil jede Blüte in denselben Regenbogenfarben schillert…..

„Krippentradition“ (copyright was)

Wesentlich scheint für den einzelnen Menschen, dass die kulturelle Gemeinschaft Halt und soziale Zusammengehörigkeit vermittelt. Insbesondere bei allen Hochkulturen gesellt sich noch der Faktor Religon dazu. Auch, wenn das heute ein wenig „unmodern“ erscheinen mag, so ist es Faktum, dass es in der Geschichte der Menschcheit keine Hochkultur ohne Religion gegeben hat. Atheistische oder agnostische Hochkulturen sind nicht bekannt. Wohl aber die Säkularisierung von Gesellschaften zu ihrem Ende – also ihrem Untergang – hin.

Zusammengefasst könnte man sagen, dass historisch gewachsene, gesunde Gesellschaften über eine starke homogene Kultur verfügen. Kultur vermittelt Identität, Gemeinschaftsgefühl, Halt und damit Sicherheit. „Gottvertrauen“ ist mit Sicherheit zusätzlich eines der stärksten Elemente, Angst und Bedrohung gelassener zu ertragen wie viele Beispiele aus der Konzentrationslagern der Nazis bestätigen.

Im 2. Weltrkrieg sprengte die Deutsche Wehrmacht in Russland nicht zuf#ällig gezielt Kirchen, Klöster und andere Stätten kultureller Identifizierung, um gleichsam die kulturelle Seele zu brechen.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Gesang zu. Die Universität Insbruck konnte nachweisen, dass Singen direkt positiv auf das Immunsystem wirkt.

So kann man unter kulturellen Repressalien stöhnend leiden oder als „Antwort“ eben den Weihnachtsschmuck an Fenstern und Häusern verdreifachen als Zeugnis von kultureller Kraft und Überlegenheit.

Ökoimmunologisch

Eine vielfach naturfremde Lebensweise führt in unserer Gesellschaft schon seit Jahrzehnten zu erheblichen gesundheitlichen Problemen. Die großen Themen dabei sind Ernährung und Bewegungsmangel, die voneinander nicht zu trennen sind. Die überbordenden Konsumation digitaler Medien führt zu immer weniger Aufenthalt in der freien Natur. So genannte Fertiggerichte stellen mittlerweile eine Bedrohung der Vorlksgesundheit dar. Schon vor 30 Jahren hat der Amerikanische Wissenschaftler und Arzt Kilmer McCully in diesem Zusammenhang von „Processed Food“ gesprochen und die nutritive Inhaltslosigkeit dieser Fertignahrung angeprangert. Er sprach von sogenannten „Empty Calories“ – nährstoffreien Kohlehydraten. Das jüngste Kind in Deutschland mit „Altersdiabetes“ war gerade einmal 5 Jahre alt. ..

„Schnappsschuss“
( copyright was)

In Volksschulen gibt es Kinder, die in der ersten Klasse einfach umkippen, wenn sie im Turnsaal im Kreis laufen sollen. Ihrem Gelichgewichtssinn fehlt das Training. Derartig schwere organische Mängel stehe in einem direkten Bezug mit dem Immunsystem

Training ist ein wichtiges Stichwort in der Immunologie. Nicht nur Psyche und Gehirn, auch das Immunsystem funktioniert analog zur Muskulatur deutlich besser , wenn es gut trainiert ist. Nícht nur bei Kindern, jedoch dort besonders, ist es wichtig, dass es immer wieder und laufend „Erregerkontakt“ gibt, um für immunologische Fitness zu sorgen. Nimmt man ihm diese Möglichkeit, wird es schwach und mangelhaft. Jede noch so kleine Infektion wird zur ausgeprägten „Krankheit“. Schon vor Covid19 gab es diese Kinder, die den Winter mit dicken Pullovern bekleidet in überheizten Wohnungen und beschützt von ultimativer Hygiene verbringen mußten. Die behüteten verweichlichten „Krankensessel“. Heute wird eine ganze Generation zu einem solchen Dasein gezwungen. Die Folgen sind noch gar nicht absehbar. . .

Abschließend sei ein Vitamin erwähnt – das Vitamin D. Das Sonnenvitamin. Sein immer häufigerer Mangel steht symbolisch für die zunehmende Entkopplung von Mensch und Natur. Letztere wird es übrigens problemlos überstehen. Das „Wunder Mensch“ ist nur ein Funkenflug im Vergleich mit der Erdgeschichte.

.Schönheit, Lust und Freude

Diese Begriffe sollen gesondert angeführt werden, wenn es um unser Immunsystem geht, denn sie spielen in der ökomedizinische Selbstverteidigung vielleicht sogar die größte Rolle. „Wir sind, was wir denken!“, und haben es deshalb selbst in der Hand, ob wir unter immunologischen oder anderen Bedrohungen zusammenbrechen oder aktiv die entscheidenden Maßnahmen ergreifen.

„Winterstimmung“ (by was)

Schönheit ist eine stets vorhandene Kraftquelle, wenn wir erlernt haben, sie zu nutzen. Die vielfältigen Grüntöne des Frühlings, die berauschende Blumenpracht des Sommers, die fröhliche Farbenpracht des Herbstes oder die zauberhaften Winternebel sind ebenso ein Symbol für Schönheit wie die zarte Struktur eines einzelnen Blattes am Schlehenstrauch. Schöne Menschen, schöne Gedichte, Bilder, Musikstücke, Erlebnisse , Augenblicke und liebevolle Gedanken – sie alle stehen in direktem Zusammenhang mit unserem Immunsystem. Bringen gegebenenfalls sogar Heilung, in jedem Falle aber wertvolle Impulse für unsere Gesesundheit.

Wer Schönheit sieht, erlebt Lust und Freude. Freude ist eine Detailfunktion von Achtsamkeit, da die Könner in dieser Disziplin bereits Freude in kleinsten Details finden und erfahren. Schönheit, Lust und Freude sind effiziente Heilmittel, die ständig frei verfügbar sind. Sie zu nützen, bedarf allerdings einiger Übung, denn die wichtigsten Voraussetzung ist Langsamkeit. So wie das russische Sprichtwort und lehrt. „Nur , wer langsam geht, kommt weit!“